ABB- vs. FANUC-Roboter-Vergleich: Welcher Industrieroboter ist besser?
Es gibt oft Fabrikbesitzer oder Automatisierungsingenieure, die mit der Frage zu uns kommen: „Ich möchte in den Bereich Robotik einsteigen, weiß aber nicht, ob ich mich für ABB oder FANUC entscheiden soll – können Sie mir eine Empfehlung geben?“ Ehrlich gesagt haben wir diese Frage im Laufe der Jahre bereits Hunderte Male gehört. Wenn man lange genug in dieser Branche tätig ist, stellt man fest, dass man bei jedem Gespräch über Industrierobotik praktisch nicht um diese beiden Marken herumkommt.
Interessanterweise erhält man bei der Befragung von zehn Ingenieuren möglicherweise acht unterschiedliche Antworten. Einige behaupten, die Software von ABB sei einfach hervorragend, während andere sagen, FANUC sei so robust wie ein alter Stier. Tatsächlich merkt man, wenn man lange genug in einer Fabrik arbeitet, allmählich Folgendes: Diese beiden Unternehmen sind sich nicht grundsätzlich überlegen, sondern jeweils in unterschiedliche Richtungen stärker.
Die folgenden Wörter stellen keine offizielle Propaganda dar, sondern spiegeln einige echte Eindrücke wider, die wir im Laufe unseres täglichen Kontakts mit Geräten, bei Besuchen bei Kunden vor Ort und bei der Reparatur von Robotern gesammelt haben. 
Beginnen wir zunächst mit dem ersten Eindruck, den ABB bei den Menschen hinterlässt
ABB ist ein europäischer Automatisierungskonzern mit Hauptsitz in der Schweiz und Schweden. Viele Menschen lernen ABB erstmals nicht über Roboter kennen, sondern über Frequenzumrichter, elektrische Ausrüstung oder industrielle Automatisierungssysteme. ABB war zudem bereits früh im Roboterbereich tätig – von Automobilfabriken bis hin zu Elektronikfabriken ist ABB praktisch überall vertreten. Viele Ingenieure, die zum ersten Mal mit ABB-Robotern in Kontakt treten, fallen sofort dessen Softwaresysteme auf. ABB legt besonderen Wert auf Digitalisierung und Simulation – dies zeigt sich insbesondere in seiner Software RobotStudio.
In den Projekten, mit denen wir uns befasst haben, bevorzugen viele Systemintegratoren ABB, wenn die Automatisierungseinheiten relativ komplex sind – beispielsweise bei mehrroboterbasierter Zusammenarbeit, komplexen Montagelinien oder flexiblen Fertigungslinien – und umfangreiche Simulationen zur Vorabverifikation erforderlich sind. Warum? Weil die Software RobotStudio es ermöglicht, die gesamte Roboterarbeitsstation zunächst am Computer zusammenzustellen. Bahnen, Taktzeiten sowie mögliche Kollisionen können alle im Voraus simuliert werden. Bei einigen Projekten erfolgt sogar die Inbetriebnahme der Roboter noch vor deren Auslieferung in die Fabrik. Aus ingenieurtechnischer Sicht kann dies tatsächlich viel Zeit für das Debugging sparen.
Außerdem sind einige der kleineren Roboter von ABB durchaus sehr präzise. Zum Beispiel kann der klassischere IRB 1200 aus der IRB-Serie eine Wiederholgenauigkeit von 0,011 Millimetern erreichen. Er bewährt sich hervorragend bei der Elektronikmontage, dem Greifen kleiner Teile und anderen Aufgaben.
Lassen Sie uns noch einmal über den FANUC-Roboter sprechen
War ABB die ‚Software-Fraktion‘, so wirkte FANUC eher wie ein ‚industrieller Veteran‘. Viele Menschen, die die Werkstatt betraten und eine Reihe gelber Roboter sahen, wussten sofort, dass es sich um FANUC handelte. Der größte Vorteil von FANUC lag nicht darin, an einem bestimmten technischen Punkt besonders stark zu sein, sondern in drei Worten: stabil, langlebig und in großer Stückzahl verfügbar.
Im Jahr 2023 kündigte FANUC den Verkauf des millionsten Industrieroboters an – eine Zahl, die in der Branche als äußerst beeindruckend gilt. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass unzählige Fabriken weltweit FANUC-Roboter im Einsatz haben. Warum nutzen sie so viele Menschen? Weil viele Fabriken die „einfache und zuverlässige“ Qualität schätzen. Die Programmiermethode von FANUC ist relativ übersichtlich, und viele Bediener können bereits mit einem Zeiger ein einfaches Programm erstellen. Ohne eine besonders komplexe Softwareumgebung können sie den Roboter zudem problemlos betreiben. Für Massenproduktionsfabriken ist diese Methode tatsächlich praktikabler.
Besonders in diesen Szenarien ist FANUC besonders verbreitet:
- Autoschweißen
- CNC-Maschinen hoch und runter
- Schwerlastbeförderung und -transport
- Stapeln
- Metallverarbeitung
Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls sehr realistisch: FANUC fertigt selbst gleichzeitig numerische Steuerungssysteme, Servoantriebe, Elektromotoren und Roboter. Daher werden in vielen maschinellen Fertigungswerkstätten FANUC-Roboter und FANUC-Maschinen besonders häufig kombiniert eingesetzt. Die Roboter liefern die Werkstücke direkt an die Maschinen, und Kommunikation sowie Systemkompatibilität sind bereits weit fortgeschritten.
Welche Marktposition nehmen diese beiden Unternehmen genau ein?
Betrachtet man den weltweiten Markt für Industrieroboter, werden üblicherweise „die vier großen Familien“ genannt: FANUC, ABB, Yasukawa Electric Motor und Kuka. Diese vier Unternehmen dominieren den Markt für Industrieroboter weitgehend. Viele Branchenanalysen berichten, dass FANUC seit Langem den weltweiten Marktanteil mit rund 20 Prozent anführt, während ABB ebenfalls stets zu den führenden Anbietern zählt. Mit anderen Worten: Beide Unternehmen sind Branchenführer.
Programmierung – der Unterschied ist wirklich nicht gering
Wenn Sie diese beiden Roboterarten tatsächlich eingesetzt haben, werden Sie bald einen offensichtlichen Unterschied feststellen: die Art und Weise, wie sie programmiert werden.
1. ABBs RAPID-Sprache
Der ABB-Roboter verwendet eine Programmiersprache namens RAPID. Viele Softwareentwickler empfinden RAPID als benutzerfreundlich, da sie eine Struktur aufweist, die traditionellen Programmiersprachen zumindest teilweise ähnelt. In Ihrem Programm können Sie bedingte Anweisungen, Schleifen und modulare Logik schreiben.
Für komplexe Automatisierungssysteme ist diese Struktur deutlich übersichtlicher. Mit RobotStudio können viele Programme offline am Computer entwickelt werden.
2. FANUCs TP-Programmierung
Die am häufigsten verwendete Methode bei FANUC ist die TP-Programmierung, bei der ein Teach-Pendant gehalten und der Roboter Schritt für Schritt in die gewünschten Bewegungen eingewiesen wird.
Warum ist diese Methode besonders in der Fabrik verbreitet?
- Geringe Einstiegshürde
- Beschleunigung des Einlernprozesses
- Bediener können schnell mit der Arbeit beginnen
Wenn Sie eine fortgeschrittenere Entwicklung wünschen, bietet FANUC außerdem die KAREL-Sprache an, mit der komplexere Systemfunktionen realisiert werden können. Allerdings nutzen viele Fabriken diese Sprache nur selten so intensiv.
Traglast dieses Blocks
Was den Traglastbereich betrifft, decken beide Unternehmen das gesamte Spektrum ab – von kleinen Robotern mit einem Gewicht von wenigen Kilogramm bis hin zu großen Robotern mit einem Gewicht von mehreren hundert Kilogramm. FANUC zeichnet sich jedoch insbesondere durch eine besonders umfassende Produktpalette im Bereich schwerer Traglasten aus.
Einige FANUC-Tragroboter können Lasten von über 2.000 Kilogramm heben. Diese Roboter finden sich üblicherweise in:
- Automobilfertigungslinien
- Transport großer Bauteile
- Schweren Stapeln
ABB bietet ebenfalls Überlastroboter an; im Bereich der Überlastroboter ist die Modellauswahl bei FANUC jedoch umfangreicher.
Die Genauigkeit ist tatsächlich im Wesentlichen dasselbe
Viele Menschen fragen gerne: „Welcher Roboter ist genauer?“ Tatsächlich ist die Genauigkeit aktueller Industrieroboter sehr hoch. Die meisten Modelle weisen eine Wiederholgenauigkeit von ±0,02 bis ±0,05 Millimetern auf, was für Schweißarbeiten, die Montage von Bauteilen und den Transport von Gütern ausreichend ist. Größere Unterschiede ergeben sich vielmehr aus der Fabrikplanung und dem Fertigungsprozess – nicht aus der Roboter-Marke selbst.
Zuverlässigkeit und Wartung
Einer der Gründe, warum viele Fabriken FANUC bevorzugen, ist die Langlebigkeit der Geräte. In einigen Automobilfabriken laufen FANUC-Roboter bereits seit über zehn Jahren ununterbrochen. Die Hardware-Architektur ist einfach und äußerst stabil – dies ist eine Stärke von FANUC. ABB hingegen zeichnet sich durch starke Software- und Systemintegrationsfähigkeiten aus. In vielen Projekten steht dabei besonders die digitale Fabrik, die Simulationstechnik sowie die intelligente Fertigung im Vordergrund. Unterschiedliche Fabriken wählen entsprechend ihren jeweiligen Anforderungen.
Die eigentlichen Anwendungsszenarien unterscheiden sich ebenfalls leicht. Innerhalb der Projekte, mit denen wir interagieren, verteilen sie sich im Allgemeinen wie folgt.
ABB ist verbreitet in: Elektronikfertigung, präziser Montage, Verpackungsproduktionslinien, Spritzlackiersystemen und kollaborativen Robotikanwendungen. Beispielsweise sind ABBs kollaborative Roboter YuMi und GoFa auf Montagelinien weit verbreitet.
FANUCs sind verbreitet in: Automobil-Schweißanwendungen, Werkzeugmaschinen, Palettierung, Schwerlastheben und Metallverarbeitung. Viele Maschinenverarbeitungsbetriebe verfügen über ganze Reihen von FANUC-Robotern.
Welchen soll man wählen?
Wenn Ihr Automatisierungsprojekt komplexer ist, beispielsweise:
- Kollaboration mehrerer Roboter
- Ein hoher Simulationsaufwand erforderlich ist
- Eine hohe Systemintegration notwendig ist
Neigen viele Ingenieure eher zu ABB.
Wenn Ihre Fabrikumgebung traditioneller ist, beispielsweise:
- Materialbeförderung an und von der Maschine
- Schweres Material bewegen
- Langfristige kontinuierliche Produktion
FANUC ist oft eine sehr sichere Wahl.
Tatsächlich ist das Realistischste, dass viele große Fabriken beide Roboterarten einsetzen. Für unterschiedliche Aufgaben wählt man unterschiedliche Roboter.